Q&A: Wax Finish / Wachsoberfläche

Q&A: Wax Finish / Wachsoberfläche

*English text below

Fragen:
«Wie hält sich dieses Wachsfinish im Laufe der Zeit auf Möbeln? Wie viele Jahre Schutz bietet es, bevor eine Auffrischung erforderlich ist?»
Paul, https://www.copperpigwoodworking.com

Antwort:

Eine Oberfläche aus Bienen- und Carnaubawachs ist ein dauerhaftes und äusserst stabiles Finish, das über Jahrzehnte Bestand hat, sofern es nicht übermässig beansprucht wird oder Hitze und Feuchtigkeit ausgesetzt ist.

Abnutzung zeigen sich vor allem an Stellen, die häufig berührt werden, wie bspw. Schubladen oder Schranktüren.

Ein Ölfinish sollte im Laufe der Jahre regelmäßig nachbehandelt werden, da das Öl ins Holz einzieht.

Kopfteil des Kahnbettes

Eine Wachsoberfläche hingegen wird nur erneuert, wenn dies als notwendig erachtet wird. Dabei ist es wichtig, die alte Wachsschicht zunächst mit einem Heissluftföhn, warmem Wasser, Terpentinersatz oder allenfalls Benzol zu entfernen, bevor eine neue Schicht aufgetragen wird. Der entstehende Schmierfilm lässt sich mit feiner Stahlwolle abreiben.

Zum Video:
Oberflächenbehandlung mit Wachs (Bienen- und Carnaubawachs).

Mit dem Heissluftfön dringt das Wachs tiefer in die Poren ein. Ich habe insgesamt dreimal das Wachs aufgetragen und anschliessend glänzend poliert. An gewissen Stellen brauchte es sogar vier Applikationen bis das Holz genügend gesättigt und genährt war.

Rezept:

Es handelt sich um eine Mischung aus Bienen- und Carnaubawachs. Ca. 9 bis 13 % Carnaubawachs (10 – 15% vom Bienenwachsvolumen). Mit einem höheren Anteil an Carnaubawachs wird die Oberfläche widerstandsfähiger und härter. Allerdings bedeutet dies auch, dass das Auspolieren per Hand generell anstrengender wird.

Ich habe der Mischung ca. 9 % Balsamterpentin* beigefügt. Dadurch bekommt es eine flüssigere Konsistenz und ist so einfacher aufzutragen und einzupolieren. Verwendet man Terpentinöl* wird es noch geschmeidiger.

Um die Konsistenz des Wachses zu verbessern, kann man stattdessen auch Weissöl (Paraffinöl) verwenden, was aber für den Restaurierungsbereich weniger geeignet ist.  

Carnaubawachs stammt vom Blatt der in Brasilien wachsenden Carnaubapalme und ist das härteste bekannte natürliche Wachs.

Zeitliche Anwendung:

  • Carnaubawachs wird seit 1846 aus Brasilien eingeführt.
  • Bienenwachs: nach einem Papyrus aus der Zeit Ramses (1388-1228 v. Chr.) bereits in Ägypten bekannt. Die erste maltechnische Anwendung wird von Plinus beschrieben.

Ein ausführlicher Restaurierungsbericht zum Nussbaum-Kahnbett aus der Epoche Karl X. finden Sie hier.

  

* Unterschied Balsamterpentin und Terpentinöl:

Balsamterpentin und Terpentinöl sind eng verwandte, aber unterschiedliche Substanzen:

 1. Balsamterpentin:

  • Ist der frische Harzausfluss von Nadelbäumen, insbesondere Kiefern und Lärchen – häufig in Ethanol gelöst.
  • Eine cremige Flüssigkeit, die ein Gemisch aus Harz und ätherischen Ölen enthält.
  • Wird hauptsächlich verwendet, um Harze weicher und geschmeidiger zu machen.

 2. Terpentinöl:

  • Wird durch Destillation des natürlichen Balsams (Terpentin) gewonnen.
  • Ist ein flüchtiges, öl- und harzlösendes Mittel.
  • Wird vielfältig eingesetzt, z.B. als Lösungsmittel für Lacke, zum Verdünnen von Ölfarben oder einer Wachspaste und zur Entfernung von Fettflecken.

Der Hauptunterschied liegt also in der Verarbeitung: Balsamterpentin ist das Rohprodukt, während Terpentinöl das destillierte, gereinigte Produkt ist. Terpentinöl ist flüchtiger und hat stärkere Lösungseigenschaften als Balsamterpentin.

Oft wird angenommen, dass alles, was aus Pflanzen gewonnen wird, weniger schädlich ist als Erdölprodukte. Das pflanzliche (echte) Terpentinöl ist aber deutlich toxischer als Terpentinersatz (Synonym: Testbenzin, Lackbenzin).

Beide Substanzen können gesundheitsschädlich und umweltgefährdend sein. Terpentinöl ist aber besonders toxisch bei Einnahme und kann schwere Vergiftungen verursachen.
Aus Sicherheitsgründen wird oft Terpentinersatz (ein Erdöldestillat) als Alternative verwendet, da es weniger flüchtig und weniger toxisch ist.

Mehr Infos unter TOXINFO SUISSE

‼️ Bitte beachten Sie, dass beim Umgang mit Benzol, Terpentinersatz, Balsamterpentin oder Terpentinöl geeignete Schutzausrüstung getragen werden sollte. Dazu gehören Atemschutz, Schutzbrille und Chemiehandschuhe.‼️

Question:
«How does this wax finish hold up on furniture over time? How many years of protection do you get before needing to refinish?»
Paul,
https://www.copperpigwoodworking.com

Answer:
A surface made of beeswax and carnauba wax is a durable and highly stable finish which can last for decades, provided it is not excessively used or exposed to heat and moisture.
Wear and tear typically occurs in areas frequently touched, such as drawers or cabinet doors.

An oil finish should be regularly re-treated over the years as the oil penetrates into the wood.
A surface of wax, however, is only renewed when deemed necessary.
Prior to applying a new layer, it is important to remove the old old coating first, using a heat gun, warm water, turpentine substitute (white spirit) or, if necessary, benzene.
The resulting lubricating film can be rubbed off with fine steel wool.

Video:
Surface treatment with wax (beeswax and carnauba wax).
The wax penetrates deeper into the pores with a heat gun. I applied the wax a total of three times and then polished it to a shine. In some places it even took four applications until the wood was completely saturated and nourished.

Recipe:
It is a mixture of bees wax and carnauba wax.
Approximately 9 to 13% carnauba wax (10 – 15% of the volume of beeswax). A higher proportion of carnauba wax results in a more resistant and harder surface. However, it also generally means that hand polishing becomes more strenuous.

I added approximately 9% balsam (turpentine) to the mixture. This gives it a more liquid consistency, making it easier to apply and polish. If turpentine oil is used, it becomes even smoother.

Alternatively, to improve the consistency of the wax, one can also use mineral oil (paraffin oil), but this is less suitable for the restoration field.

Carnauba wax forms the outer, shiny skin of the leaves of the carnauba palm tree that grows in Brazil and is the hardest known natural wax.

Timeline of Usage:

  • Carnauba wax has been imported from Brazil since 1846.
  • Beeswax: Known in Egypt since the time of Ramses (1388-1228 BC) according to a papyrus. The first documented artistic application is described by Pliny.

A comprehensive restoration report on the Karl X era walnut sleigh bed can be found here.

*Difference Between Balsam Turpentine and Turpentine Oil:

Balsam turpentine and turpentine oil are closely related but distinct substances:

  1. Balsam Turpentine:

    • It is the fresh resin exudate from conifer trees, particularly pines and larches – often dissolved in ethanol.
    • A creamy liquid containing a mixture of resin and essential oils.
    • Primarily used to soften and make resins more pliable.
  2. Turpentine Oil:

    • Obtained by distillation of balsam turpentine resin.
    • A volatile, oil- and resin-dissolving agent.
    • Used in various applications, such as a solvent for varnishes, thinning oil paints, or wax paste, and for removing grease stains.

    The main difference lies in the processing: balsam turpentine is the raw product, while turpentine oil is the distilled, purified product. Turpentine oil is more volatile and has stronger solvent properties than balsam turpentine.

    It is often assumed that plant-derived substances are less harmful than petroleum products. However, plant-based (genuine) turpentine oil is significantly more toxic than turpentine substitute (also known as white spirit or mineral spirits).

    Both substances can be harmful to health and the environment. Turpentine oil is especially toxic if ingested and can cause severe poisoning.
    For safety reasons, turpentine substitute (a petroleum distillate) is often used as an alternative, as it is less volatile and less toxic.

    More information can be found at TOXINFO SUISSE

    ‼️Please note that when handling benzene, turpentine substitute, balsam turpentine, or turpentine oil, appropriate protective equipment should be worn. This includes respiratory protection, safety goggles, and chemical-resistant gloves.‼️

    Schneidebrett mit Hirnholzleiste

    Schneidebrett mit Hirnholzleiste

    *English text below

    Die Hirnholzleiste ist ein Konstruktionsprinzip aus dem Möbelbau, um das Werfen freistehender Vollholzbrettflächen (Platten, Türen, Laden) zu verhindern.

     

    Seit jeher stehen SchreinerInnen vor der Herausforderung neben den Herzbrettern mit stehenden Jahrringen auch Seitenbretter zu verarbeiten. Um diese zu stabilisieren, kommen die seit Jahrhunderten erprobte und bewährte Grat- und Hirnholzleiste zum Tragen (neben den Verleimregeln für Massivholzbretter).

     

    Beide Verbindungen kannten bereits die versierten römischen Möbelschreiner. Vgl. dazu die konservierten Möbel in Herculaneum aus dem frühen Kaiserreich Roms (79 n. Chr.).

     

    Die Hirnleisten verwendet man überall dort, wo Gratleisten störend sind sowie als konstruktiver Holzschutz, um die Hirnenden der Fläche zu schützen. So wurde früher bei Läden ein widerstandsfähiges Holz wie Eiche als Anfassleiste verbaut.
    Da bei dieser Verbindung Quer- und Langholz aufeinandertreffen, darf die Feder nur in der Mitte (maximal 1/3 der Breite) verleimt oder verkeilt werden.
    Türen und Klappen an hochwertigen Möbeln werden durch eingeleimte Hirn- oder Keilfedern gehalten (#Barock / #Biedermeier).

     

    Bei meinen Schneidebrettern habe ich beim mittleren Dübel etwas Fischleim angegeben. Die äusseren Dübel können sich im Langloch der Feder frei bewegen, wodurch das Arbeiten nach beiden Seiten möglich ist. Das Leistenholz sollte Rift/Halbrift sein, da dieses das halbe Schwundmass im Vergleich zu tangential geschnittenem Holz hat.

     

    Für die Oberflächenveredelung eines Schneidebrettes, kommen für mich zwei Öle in Frage: Leinöl oder Walnussöl


    Ich benutzte für meine Bretter ein unbehandeltes, kalt gepresstes Walnussöl, das langsam trocknend tief ins Holz eindringt. Es härtet aufgrund der tieferen Jodzahl etwas langsamer aus als das Leinöl.
    Ich habe mich für Walnussöl entschieden, da Leinöl beim Nussholz einen leichten Grünstich verursachen kann.

    Cutting board with breadboard end

     

    The breadboard end is a construction principle from furniture making to prevent the warping of freestanding solid wood board surfaces (panels, doors, shutters).

     

    For centuries, carpenters have faced the challenge of processing side boards in addition to heartwood boards with standing annual rings.

     

    To stabilize these, the tried and tested breadboard end or sliding dovetail joint have been used for centuries alongside gluing rules for solid wood boards.

     

    Both connections were already known to the skilled Roman furniture makers. See the preserved furniture in Herculaneum from the early Roman Empire (79 AD).

     

    Breadboard ends are used wherever sliding dovetail joints are disruptive, as well as for constructive wood protection to protect the end grain of the surface.

     

    In the past, a resistant wood like oak was used as a breadboard end for wooden shutters.
    Since this connection involves cross and longitudinal wood meeting, the tongue may only be glued or wedged in the middle (maximum 1/3 of the width).

     

    In high-quality furniture, doors and flaps are held in place by glued end or wedge tongues (Baroque / Biedermeier period).

     

    For my cutting boards, I applied a bit of fish glue to the middle dowel. The two outer dowels can move freely in the longitudinal hole of the tongue, allowing work on both sides.

     

    The wood of the breadboard end should be quarter or rift sawn, as it has half the shrinkage compared to tangentially cut wood.

     

    For the surface finishing of a cutting board, two oils come into question for me: linseed oil or walnut oil.

     

    I used untreated, cold-pressed walnut oil for my boards, which slowly penetrates deep into the wood. Due to its lower iodine number, it hardens slightly slower than linseed oil.

    I chose walnut oil because linseed oil can cause a slight greenish tint on walnut wood.

    Wooden Furniture in Herculaneum

    Wooden Furniture in Herculaneum

    Holzmöbel aus Herculaneum

    Im Zusammenhang mit meiner Ausbildung zur Möbelrestauratorin habe ich mich intensiv mit den Anfängen der Möbelherstellung auseinandergesetzt und bin auf die Studie «Wooden Furniture in Herculaneum» von Stephan T.A.M. Mols gestossen.

    In seinem Buch verschafft er uns einen Überblick über 41 Möbelstücke (Betten, Liegen, Tische, Sitz- und Aufbewahrungsmöbel) aus dem frühen Kaiserreich Roms. Dabei setzt er die zur Herstellung der Möbel verwendeten Techniken sowie deren Form und Funktion ins Zentrum und bettet sie in ihren sozialen und historischen Kontext ein.

    Die Holzmöbel in Herculaneum wurden durch den Ausbruch des Vesuvs (79 n. Chr.) feuerverkohlt, wodurch sie in veränderter Form über die Jahrhunderte erhalten und chemisch stabil blieben.
    Nach der Entdeckung von Tutanchamuns Grab im Jahr 1922 wurde zum ersten Mal mit geschmolzenem Paraffinwachs ein Holzartefakt konserviert.
    Ab 1927 wurde diese Technik auch in Herculaneum angewandt, wodurch nun die Holzmöbel vor dem Zerfall geschützt werden konnten. Von den Ausgrabungen vor 1900 ist leider kein einziges Möbel erhalten geblieben.

    Als Schreinerin interessieren mich natürlich insbesondere die verwendeten Techniken. Dabei ist festzustellen, dass die Handwerker von Herculaneum auf einem aussergewöhnlich hohen Niveau arbeiteten und über umfassende Kenntnisse einer Vielzahl von unterschiedlichen Hölzern besassen. Sie verfügten über Werkzeuge und Techniken, die bis zur industriellen Revolution als mechanische Holzbearbeitungstechniken aufkamen, keine tiefgreifenden Veränderungen mehr erfuhren.

    Die Römer perfektionierten die bereits bekannten Werkzeuge wie Axt, Keil, Säge, Hammer/Klöppel, Stechbeitel/Hohleisen, Bohrer, Feile und Raspel, Schleifpapier (Fischhaut), Schraubzwinge, Drechselbank, Winkel, Zirkel, Lineal, Lot, sowie ein Vorläufer der Wasserwaage (libella) und fügten den Zimmermannshammer sowie den Hobel zum allgemeinen Werkzeugbestand hinzu. Dessen Form hat sich bis in die Neuzeit kaum mehr verändert.

    Sie beherrschten verschiedene Holzverbindungen, darunter Schwalbenschwanz- und Gratleistenverbindungen, stiftgesicherte Nut- und Federverbindungen, (Blind-)Zapfen, Überblattungen sowie offene Fingerzinkungen. Zudem verwendeten sie unterschiedliche Leime wie Kuh- und Fischleim, Bitumen und Pech.

    Zu ihrem weiteren Repertoire gehörten u.a. aufwändige Holzschnitzereien, Furniertechniken – auch mit Vergoldungen, Intarsien aus Holz, Elfenbein, Glaspaste, Silber etc. und Marketerie sowie Oberflächenbehandlungen mit diversen Ölen und Farben.

    Sie verbauten Klavierscharniere (aus Knochen, Holz oder Elfenbein) und gelten als Erfinder des Schrankes (armarium) und der Rahmen-Füllungs-Konstruktion. Diese formstabile Flächenkonstruktion ging nach dem Untergang des Römischen Reiches grösstenteils verloren und kam erst wieder in der Spätgotik auf.

    Eine der bedeutendsten Entdeckungen in Herculaneum in den letzten Jahrzehnten erfolgte 2009/10, als das eingestürzte Holzdach und Teile der Kassettendecke aus dem Haus des Telephus-Reliefs von einem verschütteten Strand geborgen wurden.

    Diese Art von Kassettendecke sollte Jahrhunderte später Standard für Kirchen und Paläste in der italienischen Renaissance werden (vgl. letztes Bild in der Galerie).

    Es ist ein phantastisches Buch und ich empfehle es allen, die sich für antike Möbel, das Leben in den vesuvianischen Städten oder die materielle Kultur der frühen Römischen Kaiserzeit interessieren.

     

    Leider sind die Bilder im Buch von S. Mols z.T. sehr dunkel. Die Bilder stammen aus folgenden Quellen:
    S. Mols; Herculaneum Society; benedante.blogspot; www.antike-tischkultur.de

     

     Weitere spannende Berichte zu diesem Thema:

     

    Eröffnung des „Haus der 7 Sinne“, Vitznau

    Eröffnung des „Haus der 7 Sinne“, Vitznau

    Als ich diesen Schrank in einem Bericht im Bote der Urschweiz sah, wusste ich, den muss ich haben. Es fühlte sich an, als sei es mein Ahnenschrank.

    Corinna Braun, Vitznau

    English text see below. 👇🏽

    „Dort, wo in Vitznau viele Jahre lang der Souvenir-Shop von Frieda O’Connor war, hat am 1. Mai 2023 ein neues Kapitel angefangen.

    Corinna Braun hat die Räumlichkeiten übernommen und verwirklicht in ihrem neuen Atelier ihr Herzensprojekt: Das «Haus der 7 Sinne».

    Im Haus der 7 Sinne geht es um Teekultur, Kunsthandwerk, Kulturaustausch und eine bewegte Familiengeschichte. Ende der 1930er Jahre wanderten Corinna Brauns Grosseltern nach Japan aus, wo sie zehn Jahre ihres Lebens verbrachten. Aus dieser Zeit gibt es noch einige Schätze, die Corinna Braun nun zugänglich macht.

    Corinna Braun & Chaska Schuler mit HIKARI TO YAMI 光と闇 – LICHT UND DUNKEL

    Das Herzstück der europäisch-asiatisch eingerichteten Räume ist der «Ahnenschrank» der jungen Steiner Möbeldesignerin Chaska Schuler.

    Das Haus der 7 Sinne ist so lebendig, offen und vielseitig wie die Inhaberin selbst. So gehören besonders die Welt des Grüntees – ebenfalls von der Grossmutter inspiriert – und das Kunsthandwerk zu Corinna Brauns grossen Leidenschaften. Dazu wird es Workshops und Seminare geben.“

    Text: Vera Bender

    👉🏽 https://7-sinne-haus.ch

     

    Möbel aus meiner Werkstatt:

    A) Kleiderschrank aus Olivenesche: HIKARI TO YAMI 光と闇 – Light and Darkness

    B) Three-Wood-Table

    Opening of the „House of the 7 Senses“, Vitznau

     

    „Where Frieda O’Connor’s souvenir shop was for many years in Vitznau, a new chapter began on 1 May 2023.
    Corinna Braun has taken over the premises and is realising her heart’s project in her new studio: the „House of the 7 Senses“.
    The House of the 7 Senses is about tea culture, arts and crafts, cultural exchange and an eventful family history. At the end of the 1930s, Corinna Braun’s grandparents emigrated to Japan, where they spent ten years of their lives. There are still some treasures from that time, which Corinna Braun is now making accessible.

    The centrepiece of the European-Asian furnished rooms is the „ancestral cabinet“ by the young furniture designer Chaska Schuler from Steinen.

    The House of the 7 Senses is as lively, open and versatile as the owner herself. The world of green tea – also inspired by her grandmother – and arts and crafts are among Corinna Braun’s great passions. There will be workshops and seminars on this.“

    Text: Vera Bender (Translation chaskART)

    Junge Möbelmacherin feiert Erfolg mit Kleiderschrank – Bericht im Bote der Urschweiz vom 26. Oktober 2022

    Junge Möbelmacherin feiert Erfolg mit Kleiderschrank – Bericht im Bote der Urschweiz vom 26. Oktober 2022

    Heute ist im Bote der Urschweiz ein Artikel über mich und mein Möbel HIKARI TO YAMI 光と闇 – LICHT UND DUNKEL erschienen.

    Mein Kleiderschrank aus Olivenesche war in der engeren Auswahl für den Young Furniture Maker Award 2022 (Preis für massgefertigte Möbel) und wurde am 12. Oktober in London ausgestellt.

    👉🏽 Hier geht es zum Zeitungsartikel.

    Bote der Urschweiz 26.10.2022
    Interview with/mit Chaska Schuler – Young Furniture Makers exhibition in London

    Interview with/mit Chaska Schuler – Young Furniture Makers exhibition in London

    Die deutsche Übersetzung des folgenden Textes findet sich unten.

    The Young Furniture Makers exhibition, our annual showcase of emerging design talent, returns to the City of London on Wednesday 12 October for one day only.

    Around 100 designs will be on show with industry being invited to attend and meet up-and-coming designer-makers who are looking to make an impact on the sector. Over the coming weeks we’ll be interviewing some of the makers who will be exhibiting at the event.
    Today we introduce you to Chaska Schuler.

    HIKARI TO YAMI 光と闇 – LIGHT AND DARKNESS

    «My wardrobe is a fusion of Japanese and Western traditions, inspired by Japanese temple construction imposing its presence like a Japanese bonsai solitaire.»

    Tell us about the product you’re exhibiting. What’s the story behind it?

    Since the beginning of my apprenticeship as a furniture maker, I have been fascinated by Japanese craftsmanship, its woodworking tools and the art of traditional wood joinery.

    At that time, I discovered the joy of creating and working with my own hands.

    Chaska Schuler

    This timeless craft is the result of over 1500 years of accumulated knowledge imparted from the masters to their disciples.
    The oldest wooden building in the world (a five-storey pagoda –
    五重の塔, gojū no tō) stands in the Japanese city of Ikaruga for over 1400 years, defying all natural and man-made disasters. These buildings, as well as the Chinese and Japanese chairs that have been in use for centuries, are testimony to the quality of the sophisticated joining techniques.

    My wardrobe is a fusion of Japanese and Western traditions, inspired by Japanese temple construction imposing its presence like a Japanese bonsai solitaire.

    For me, the strength lies in simplicity. This is the reason why this piece is characterized by lightness, clear lines and contrasts.

    The supporting legs are derived from the curved roof shape of Japanese temples.
    In the vertical position, they acquire their functional morphological form as legs of the wardrobe, whereby the black stain supports the contrast to the angular lines of the carcase.

    The hand turned rods that hold the black-stained support structure in place, as well as the pins that hold the handles, but also all visible screws are uniformly finished in brass and give the furniture an additional exclusive and elegant note.

    On the functional level, it was important to me that the furniture could be easily disassembled for transportation. This is supported by the well-thought-out construction and the Festool Domino furniture connectors as well as the easily removable brass pin system.

    Cabinet top, bottom and back panels are designed as a frame/panel construction with veneered plywood. This saved weight and left more options for the visible and load-bearing parts made of solid wood, such as the side panels or the doors and drawer fronts, which give the customer a high-quality tactile feeling in daily use and last for generations.
    Grain is lovingly matched across doors, drawer fronts, drawer bottoms, interior and exterior of the back panel, creating a seamless beauty.

    The drawers do not have modern Soft Close Drawer Runners. The traditional method I worked out with the Dovetail drawers (half blind dovetail joints) gives the furniture another exclusive touch. 

     

    For the fittings, I chose classy Offset Knife / Pivot Hinges. The simple design ensures a low profile look once installed on an inset door frame.

    Surface finishing is a real concern for me. I only use products that are neither harmful to the customer’s health nor to mine. I have found my choice in the Rubio Monocoat products. They do not contain any volatile organic compounds (VOCs) and carry the Eurofins Indoor Air Comfort Gold label, which guarantees a healthy indoor climate.

    Solid wood furniture that does not age leaves the main role to the beauty of the wood with a perfect grain match and finish.

    What was the most challenging part of bringing it to life?

    The load-bearing and supporting structure was a great challenge, first from a design point of view, but above all from a manufacturing point of view. The reason lies in the curved shape, which tapers repeatedly in all planes.

    The complex leg structures as well as the connecting arches have been manufactured with repeated accuracy using CAD data and templates produced with Shaper Origin.

    What do you hope to get out of being part of the Young Furniture Makers exhibition?

    I hope for a lively exchange between us young designers and makers, the audience and the professional woodworking scene in the UK and I hope that taking part at the exhibition will open doors on my way as an independent creator.

     

    Who is your design hero and why?

    My design hero is clearly George Nakashima (*24.5.1905 – † 15.6.1990).
    What distinguishes Nakashima is the poetic style of his work, his reverence for wood and the belief that his furniture allows insight into ‚The Soul of a Tree‘ – as he put it in the title of his 1981 memoir.
    ‚The Soul of a Tree‘ by George Nakashima accompanied me during my five years of training and has deeply influenced my thinking and my work. Nakashima revealed to me how important a holistic creative work is.

    What are your career aspirations?

    After my four-year apprenticeship as a cabinetmaker in Switzerland, I studied and practised furniture design, making and restoration at the Chippendale International School of Furniture in Scotland.
    After this important experience I got the opportunity to take part in the summer school in Boisbuchet, France, where I was introduced to Japanese woodworking under the guidance of master carpenter Takami Kawai and experienced designer Wataru Kumano.

    Currently I am working and learning how to restore furniture and art objects with a restorer in the South of France.

    After my return next year, I will start my own furniture making business designing and building durable and aesthetically enchanting furniture of solid wood as well as restoring old/historic furniture.
    In addition, I would like to share my experience, knowledge and fascination for wood in courses inspiring people for woodworking.

    How do you think you’d react if you won a Young Furniture Makers Award?

    That would be the greatest experience of my life so far. I would be overjoyed, because such an award would be an acknowledgement of the quality of my work and would certainly help me a lot in starting my own woodworking business.

    The Furniture Makers‘ Company 

    Die Ausstellung Young Furniture Makers, unser jährliches Schaufenster für aufstrebende Designtalente, kehrt am Mittwoch, dem 12. Oktober, für einen einzigen Tag in die Londoner City zurück.
    Rund 100 Entwürfe werden ausgestellt. Die Industrie ist eingeladen, die Ausstellung zu besuchen und aufstrebende Designer und Macher zu treffen, die sich in der Branche einen Namen machen wollen. In den kommenden Wochen werden wir einige der Designer interviewen, die auf der Veranstaltung ausstellen werden.
    Heute stellen wir Ihnen Chaska Schuler vor.

     HIKARI TO YAMI 光と闇 – LICHT UND DUNKEL

    «Mein Kleiderschrank ist eine Verschmelzung japanischer und westlicher Traditionen, inspiriert durch den japanischen Tempelbauten, mit der Präsenz eines japanischen Bonsai-Solitärs.»

    Erzählen Sie uns etwas über das Möbel, das Sie ausstellen. Was ist die Geschichte dahinter?

    Seit Beginn meiner Ausbildung zur Möbelschreinerin faszinierte mich die japanischen Handwerkskunst, ihre Holzbearbeitungswerkzeuge sowie die ausgeklügelten Holzverbindungen.
    In dieser Zeit entdeckte ich die Freude am Kreiieren und Arbeiten mit meinen eigenen Händen.

    Dieses zeitlose Handwerk ist das Ergebnis von über 1500 Jahren angesammelten Wissens, das von den Meistern an ihre Lehrlinge weitergegeben wurde.
    Das älteste Holzgebäude der Welt (eine fünfstöckige Pagode – 五重の塔, gojū no tō) steht seit über 1400 Jahren in der japanischen Stadt Ikaruga und trotzt allen natürlichen und vom Menschen verursachten Katastrophen. Diese Gebäude sowie die chinesischen und japanischen Stühle, die seit Jahrhunderten in Gebrauch sind, zeugen von der Qualität der ausgefeilten Verbindungstechniken.
    Mein Kleiderschrank ist eine Verschmelzung japanischer und westlicher Traditionen, inspiriert durch den japanischen Tempelbau, mit der Präsenz eines japanischen Bonsai-Solitärs.

    Für mich liegt die Stärke in der Einfachheit. Das ist der Grund, warum dieses Stück durch Leichtigkeit, klare Linien und Kontraste gekennzeichnet ist.

    Die Beine der Tragekonstruktion sind von der geschwungenen Dachform japanischer Tempel abgeleitet.
    In der Vertikalen erhalten sie ihre funktionale morphologische Form als Beine des Kleiderschranks, wobei die schwarze Beize einen zusätzlichen Kontrast zu den kantigen Linien des Korpus bildet.
    Die handgedrechselten Verbindungsstäbe, die das schwarz gebeizte Tragwerk halten, als auch die Stifte der Griffe sowie die Scharniere und alle sichtbaren Schrauben sind einheitlich in Messing ausgeführt und verleihen dem Möbel eine zusätzliche exklusive und elegante Note.

    Auf der funktionalen Ebene war es mir wichtig, dass sich das Möbel für den Transport leicht zerlegen lässt. Dies wird durch die durchdachte Konstruktion und die Festool Domino-Möbelverbinder sowie das leicht lösbare Verbindungssystem aus Messing unterstützt.

    Schrankoberseite, -boden sowie die Rückwand sind als Rahmen/Füllung-Konstruktion mit furnierten Platten ausgeführt. Das spart Gewicht und lässt mehr Spielraum für die sichtbaren und tragenden Teile aus Massivholz, wie z.B. die Seitenwände oder die Türen und Schubladenfronten, die dem Kunden im täglichen Gebrauch ein hochwertiges haptisches Gefühl vermitteln und über Generationen halten.

    Die Maserung ist bei den Türen, Schubladenfronten und Schubladenböden sowie bei der Innen- und Aussenseite der Rückwand liebevoll aufeinander abgestimmt, so dass eine nahtlose Schönheit entsteht.
    Die Schubladen haben keine modernen Soft-Close-Auszüge. Die traditionelle Methode, die ich für die Schwalbenschwanz-Schubladen (halbverdeckte Schwalbenschwanz-Zinken-Verbindung) ausgearbeitet habe, verleiht dem Möbel eine zusätzliche exklusive Note.

    Bei den Beschlägen habe ich mich für versteckte Messingtürscharniere entschieden. Das schlichte Design sorgt dafür, dass die Scharniere im Türrahmen nicht auffallen.

    Die Oberflächenbehandlung ist für mich ein echtes Anliegen. Ich verwende nur Produkte, die weder für die Gesundheit des Kunden noch für meine eigene schädlich sind.
    Mit den Produkten von Rubio Monocoat habe ich meine Wahl getroffen. Sie enthalten keine flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) und tragen das Eurofins Indoor Air Comfort Gold-Label, das ein gesundes Raumklima garantiert.

    Massivholzmöbel, die nicht altern, überlassen die Hauptrolle der Schönheit des Holzes mit einer perfekten Maserung und einem perfekten Finish.

    Was war die grösste Herausforderung bei der Verwirklichung des Projekts?

    Die tragende und stützende Struktur war aus gestalterischer, aber insbesondere aus fertigungstechnischer Sicht eine grosse Herausforderung.
    Der Grund dafür liegt in der gebogenen Form, die sich in allen Ebenen zusätzlich mehrfach verjüngt.

    Die komplexen Beinstrukturen sowie die Verbindungsbögen wurden mit Hilfe von CAD-Daten und Schablonen, die mit der Shaper Origin erstellt wurden, wiederholgenau gefertigt.

    Was erhoffen Sie sich von der Teilnahme an der Ausstellung Young Furniture Makers?

    Ich erhoffe mir einen regen Austausch zwischen uns jungen DesignerInnen und MacherInnen, dem Publikum und der professionellen Holzbearbeitungsszene im Vereinigten Königreich und hoffe, dass die Teilnahme an der Ausstellung mir Türen auf meinem weiteren Weg als kreative Schreinerin öffnet.

    Wer ist Ihr Designer-Vorbild und warum?

    Mein Vorbild ist eindeutig George Nakashima (*24.5.1905 – † 15.6.1990).
    Was Nakashima auszeichnet, ist der poetische Stil seiner Arbeit, seine Ehrfurcht vor dem Holz und die Überzeugung, dass seine Möbel Einblicke in die „Seele eines Baumes“ gewähren – wie er es im Titel seiner 1981 erschienenen Memoiren ausdrückte.
    „The Soul of a Tree“ von George Nakashima hat mich während meiner fünfjährigen Ausbildung begleitet und mein Denken und meine Arbeit tief geprägt. Nakashima führte mir deutlich vor Augen, wie wichtig für mich eine ganzheitliche schöpferische Arbeit ist.

    Was sind Ihre beruflichen Ziele?

    Nach meiner vierjährigen Lehre als Möbelschreinerin habe ich an der Chippendale International School of Furniture in Schottland Möbeldesign, -herstellung und -restaurierung studiert und praktiziert.
    Nach dieser wichtigen Erfahrung erhielt ich die Gelegenheit, an der Sommerschule in Boisbuchet, Frankreich, teilzunehmen, wo ich unter der Leitung des Zimmermann-Meisters Takami Kawai und dem erfahrenen Designer Wataru Kumano in die japanische Holzbearbeitung eingeführt wurde.
    Derzeit mache ich eine Zusatzausbildung bei einem Restaurator in Südfrankreich und lerne, wie man Möbel und Kunstgegenstände restauriert.

    Nach meiner Rückkehr im nächsten Jahr werde ich meine eigene Möbelschreinerei gründen, in der ich langlebige und ästhetisch bezaubernde Möbel aus Massivholz entwerfe und baue sowie alte/historische Möbel restauriere.

    Ausserdem möchte ich meine Erfahrung, mein Wissen und meine Faszination für Holz in Kursen weitergeben und Menschen für die Holzbearbeitung begeistern.

    Was glauben Sie, wie Sie reagieren würden, wenn Sie einen Young Furniture Makers Award gewinnen würden?

    Das wäre die grösste Freude in meinem bisherigen Leben. Ich wäre überglücklich, denn eine solche Auszeichnung wäre eine Anerkennung für die Qualität meiner Arbeit und würde mir sicherlich bei der Gründung meines eigenen Betriebes sehr helfen.

    The Furniture Makers‘ Company