Die Replika eines Blumenornaments von Ignaz Günther habe ich poliment-glanzvergoldet. Die seitlichen Ränder sind mit Silber und Kupfer ölvergoldet.
Der Begriff «vergolden» erstreckt sich auch auf die Bearbeitung unedler Blattmetalle.

Die Polimentvergoldung ist die edelste, traditionsreichste, aber auch aufwendigste Vergoldungsart.

Im Gebiet des heutigen China wurden bereits im zweiten Jahrtausend v. Chr. dünne Goldfolien zur Verzierung von Gegenständen verwendet.⁠1 Auch im alten Ägypten ist die Blattvergoldung belegt, beispielsweise an Holzobjekten der 12. Dynastie (etwa 1981–1802 v. Chr.).⁠2

Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.) beschreibt die Zusammensetzung und Verwendung einer als «Leucophorum» bezeichneten Mischung zur Vergoldung von Holz – vergleichbar mit dem heutigen Poliment:

«Ein halbes Pfund pontischer Sinopis-Erde, zehn Pfund hellen Ockers und zwei Pfund griechischer Erde aus Melos ergeben, miteinander vermischt und zwölf Tage lang gemeinsam zerrieben, Leucophorum. Dieses dient als Klebemittel für Gold, wenn es auf Holz aufgetragen wird.»⁠3

Die Polimentvergoldung entsteht in mehreren Arbeitsschritten. Sie beginnt mit dem Auftrag der Leimtränke, daran schliesst sich der Aufbau des Kreidegrunds an. Als direkter Träger des Blattgoldes dient das Poliment.

Da ihr Aufbau keinen Schutz vor Feuchtigkeit gewährt, kommt sie ausschliesslich in Innenräumen bspw. bei Skulpturen, sakralen Gegenständen oder aufwendigen Bilderrahmen zur Anwendung.

Die antiken Autoren erwähnen die sogenannte Öl- oder Mixtion-Vergoldung mit Blattgold auf einem Klebeöl nicht.
Diese Vergoldung lässt sich zwar nicht polieren, man kann sie aber universell auf fast jeden Untergrund im Innen- und Aussenbereich auftragen. Saugende Untergründe wie Holz, poröser Stein, Putz und Stuck müssen mit einem Lack abgesperrt werden.

Diese Mattvergoldung ist die widerstandsfähigste aller mechanischen Vergoldungstechniken und benötigt keinen Kreide- und Polimentaufbau wie die Glanzvergoldung. Eine Ölvergoldung hält im Freien mindestens 20 bis 30 Jahre.

Das folgende Video zeigt ausführlich die einzelnen Arbeitsschritte der Polimentvergoldung (vgl. auch Text unter dem Video):

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Polimentvergoldung

Die Leimtränke

Die Vorbereitung der Leimtränke ist von entscheidender Bedeutung, da sie eine essentielle Verbindung zwischen dem zu vergoldenden Objekt und der darauf folgenden Kreidegrundierung herstellt.
Dabei kommen wasserlösliche Glutinleime zum Einsatz, die aus verschiedenen Tierprodukten (Haut, Knochen, Fischhaut und -gräte) gewonnen werden und durch Einweichen und anschließende Erwärmung (weniger als 50 Grad Celsisus!) vorbereitet werden. Die optimale Konsistenz und Temperatur der Leimtränke sind unerlässlich, ebenso wie ein gründlich vorbereitetes Arbeitsstück und ein sauberer Arbeitsplatz.
Die Anwendung erfordert zügiges Handeln, da die Tränke bei Abkühlung ihre Fließfähigkeit verliert und weniger tief ins Objekt eindringt. Sie muss gründlich in das Material einmassiert werden, um vollständig aufgesogen zu werden.

Die Kreidegrundierung

Nachdem das Werkstück getrocknet ist, wird nun eine mehrschichtige Grundierung aufgetragen, die aus einer Mischung verschiedener Kreidesorten besteht und durch Warmleim gebunden wird.

Der Grundauftrag erfolgt in drei aufeinanderfolgenden Schritten: Stupfen, Anreiben und Ausgrundieren.

Beim Stupfen wird der handwarme, dickflüssige Kreidegrund mit einem runden Borstenpinsel auf das Werkstück aufgetragen und anschließend vertupft, um eine vergrößerte Oberfläche zu schaffen.
Das Anreiben erfolgt mit einem verdünnten Kreidegrund, der mit einem langhaarigen Borstenpinsel gleichmäßig aufgetragen wird, um eine lebendige Oberfläche zu erzeugen. Die Pinselstriche bleiben sichtbar und bilden die Grundlage für die dritte Grundierungsschicht.
Die Ausgrundierung wird einem langhaarigen Haarpinsel «nass in nass» aufgetragen, um die Grundierungsschicht zu komplettieren.

Zwischen jedem Schritt muss das Werkstück gründlich trocknen, bevor mit dem nächsten Schritt fortgefahren werden kann, wobei der Auftrag von Schicht zu Schicht dünnflüssiger wird und weniger Leim enthält.

Das Poliment

Durch das Schleifen der Grundierschichten wird eine feine, glatte und gleichmäßig poröse Oberfläche erzielt. Schleifstaub muss gründlich entfernt werden, und eventuelle Rückstände von Handfett können mit einem weichen Baumwolltuch, das mit Ethanol benetzt ist, abgewischt werden. Sauberkeit am Arbeitsplatz ist für den folgenden Prozess der Polimentierung unerlässlich.

Das vorbereitete Poliment – eine Mischung von Polimentleim (Speisegelatine) und Bolus (gemahlene Tonerde) – wird leicht erwärmt und auf das Werkstück aufgetragen.
Die traditionellen Farben für Glanzvergoldung sind Gelb und Rot, wobei normalerweise zwei Schichten Gelb und darauf zwei Schichten Rot aufgetragen werden. Es ist wichtig, dass das gelbe Poliment mehr Leim enthält.
Blattgold wird wärmer, wenn ein roter Bolus und blasser, wenn ein gelber Bolus verwendet wird. Für Blattsilber wird meist ein schwarzer, blauer oder weißer Bolus verwendet, die für einen brillanteren Effekt perfekt sind.
Zwischen den Aufträgen muss das Werkstück bei Raumtemperatur gründlich trocknen, um sicherzustellen, dass der Bolus nicht brüchig wird.
Anschließend wird die Oberfläche mit einer speziellen Bürste gebürstet, um eine feine und dichte Basis für das Blattgold zu schaffen und die nachfolgende Vergoldung zu erleichtern.

Anschiessen

Ein heller und sauberer Arbeitsbereich ist für den Auftrag des Blattgoldes entscheidend. Eine konstante Luftfeuchtigkeit von etwa 60 Prozent, die durch einen Wasserkocher aufrechterhalten werden kann, verhindert eine zu schnelle Trocknung der aufgetragenen Lösung.

Die erforderlichen Werkzeuge wie das Vergolderkissen und -messer sowie der Anschiesser (Haarbesatz aus feinstem Fehhaar) müssen griffbereit sein.

Die Netze besteht aus destilliertem Wasser und Alkohol. Sie wird kurz vor der Anwendung gemischt, da Alkohol schnell verdunstet.

Das Blattgold wird auf die mit Netze vorbereitete Fläche gelegt, wobei die Lösung den im Untergrund enthaltenen Leim aktiviert. Das Anschiessen der Goldblättchen erfordert Präzision und Planung, um ein harmonisches Ergebnis zu erzielen.

Polieren

Nach dem Trocknen wird das Blattgold mit einem Achat-Stein poliert, bis eine gleichmäßig glänzende Oberfläche entsteht.

Wenn alle Schritte behutsam ausgeführt werden, entsteht eine eindrucksvolle massiv wirkende Goldoberfläche, die den Betrachter fasziniert.

Vergoldungen sind dauerhaft und benötigen keinen Schutz.

Im Aussenbereich (Ölvergoldung) sollte Gold mit mindestens 23.5 Karat verwendete werden.
Silber- und Kupferpartien können mit einem alkohlgelösten Lack (z.B. Schellack) überzogen werden, damit sie nicht oxidieren.

Unpolare Lacke, wie Zelluloselacke (Zapon) oder toluol bzw. xylolgelöste Lacke (Paraloid, Plexigum) sollten nicht verwendet werden, da sie das Mixtion anlösen können.

Quellen zur historischen Einordnung

1 Analysis of the manufacturing craft of the painted gold foils applied on the lacquerware of the Jin Yang Western Han Dynasty tomb in Taiyuan, Shanxi, China, Heritage Science, 2024. Die Einleitung nennt archäologische Goldfolienfunde aus der Shang-Dynastie und ihre Verwendung zur Verzierung von Gegenständen.

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2 Deborah Schorsch: Gold in Ancient Egypt, The Metropolitan Museum of Art, Januar 2017. Beschrieben wird unter anderem der hölzerne Modellhalskragen des Hapiankhtifi mit Blattgold auf einer Grundierung über Leinen, datiert auf etwa 1981–1802 v. Chr.

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3 Plinius der Ältere: Naturalis historia, Buch 35, Abschnitt 36: Zusammensetzung des Leucophorum und seine Verwendung zur Vergoldung von Holz. Ergänzend Buch 33, Abschnitt 64: Anwendung von Leucophorum auf Holz.

Englische Übersetzungen:

H. Rackham (1952), bei Attalus mit kleineren Änderungen wiedergegeben.

Buch 35 – Zusammensetzung, Abschnitt [36] · Buch 33 – Vergoldung von Holz, Abschnitt [64] · ↩ Zurück zur Textstelle

Recherche zur Geschichte der Vergoldung

Ergänzend zu diesem Beitrag habe ich historische Hinweise zur Vergoldung in China, Ägypten und der römischen Antike zusammengestellt. Die Recherche enthält Erläuterungen sowie Links zu antiken Textstellen, Übersetzungen und Fachbeiträgen.

↓ Geschichte der Vergoldung – Recherche und Quellen (PDF)