Zwei Begriffe zwischen Politik und Handwerk
Von der Sehnsucht nach der «guten alten Zeit» und der Kunst, Geschichte zu bewahren
Im Deutschen gibt es zwei Wörter, die sich zum Verwechseln ähnlich sind und doch etwas anderes bedeuten: Restauration und Restaurierung.
Restauration bezeichnet im politischen Sinn das Bestreben, frühere Herrschaftsverhältnisse oder gesellschaftliche Ordnungen wiederherzustellen.1
Restaurierung dagegen bezeichnet den fachlichen Umgang mit überlieferten Objekten – beispielsweise Gebäuden, Gemälden, Musikinstrumenten oder Möbeln –, mit dem Ziel, ihre materielle Substanz und historische Bedeutung zu bewahren und sie, wo erforderlich, wieder besser wahrnehmbar und verständlich zu machen.2
Beide Wörter gehen auf das lateinische restaurare zurück: wiederherstellen, erneuern, wieder aufbauen.
Diese gemeinsame sprachliche Wurzel ist in anderen Sprachen noch unmittelbar sichtbar.
Im Französischen kann restauration sowohl die Wiederherstellung eines Kunstwerks als auch die Wiederherstellung einer politischen Ordnung bezeichnen.3
Auch im Englischen umfasst restoration beide Bedeutungen, im Spanischen gilt Ähnliches für restauración.4
Diese Bedeutungsdifferenzierung im Deutschen ist mehr als eine sprachliche Kuriosität. Sie macht zwei Vorstellungen sichtbar, die denselben Wortstamm teilen und doch in unterschiedliche Richtungen weisen: die Auseinandersetzung mit dem, was von der Vergangenheit tatsächlich erhalten geblieben ist – und das Bestreben, zu einem früheren politischen Zustand zurückzukehren.
Was also will man bei einer Restaurierung «wiederherstellen»?
Objekte haben ihre Geschichten
Bei einem historischen Möbel kann ich diese Frage nur beantworten, indem ich zunächst untersuche, was tatsächlich vorhanden ist. Ein Möbel wurde einst gebaut, dann benutzt, beschädigt, repariert, überarbeitet und vielleicht über Generationen an neue Bedürfnisse angepasst.
Eine Oberfläche kann die Spuren einer späteren Überarbeitung tragen. Vielleicht wurde ein Beschlag ersetzt oder eine Füllung ergänzt. Im Laufe seines Lebens kann ein Möbel seinen Besitzer, seinen Standort und vielleicht auch seinen Zweck gewechselt haben. All diese Spuren gehören zu seiner Biografie. Ein Möbelstück hat keine unveränderliche «gute alte Zeit». Es hat eine Geschichte.
Die Aufgabe einer Restauratorin besteht nicht darin, diese Geschichte rückgängig zu machen oder ihre Spuren zu löschen. Sie muss die verschiedenen Schichten eines Objekts untersuchen und lesen können: Was ist vorhanden, was verloren? Was gehört zur ursprünglichen Substanz, was zu einer späteren Phase? Welche Eingriffe haben Schäden verursacht – und welche Veränderungen haben vielleicht gerade dazu beigetragen, dass das Möbel bis heute erhalten geblieben ist?
Fehlendes kann ergänzt werden, ohne das Vorhandene zu verleugnen. Und manchmal muss gerade das bewahrt werden, was auf den ersten Blick wie eine Abweichung vom ursprünglichen Zustand erscheint.
Restaurierung beginnt deshalb nicht mit der Vorstellung, wie etwas einmal ausgesehen haben könnte. Sie beginnt mit dem sorgfältigen Befund dessen, was erhalten geblieben ist.
Erst aus diesem Befund lässt sich die Geschichte eines Objekts erschliessen und abwägen, welche Eingriffe vertretbar sind. Das Ziel ist nicht, die Zeit zurückzudrehen, sondern das überlieferte Objekt in seiner Geschichte zu verstehen und daraus eine verantwortbare Entscheidung für seine Zukunft zu treffen.
Zurück zur alten Ordnung?
Als Napoleon Bonaparte 1814 abdanken musste, schien eine alte Welt zurückzukehren. Die Bourbonen bestiegen wieder den französischen Thron. Die Jahre 1814 bis 1830 gingen als La Restauration in die französische Geschichte ein.5
Doch schon hier zeigt sich, wie schwierig es ist, etwas «wiederherzustellen».
Ludwig XVIII. kehrte zwar als Bourbonenkönig zurück und knüpfte an die monarchische Legitimität vor der Revolution an. Aber Frankreich war nicht mehr das Frankreich von 1789. Die Charte constitutionnelle von 1814 bestätigte unter anderem die Gleichheit vor dem Gesetz und bei den Steuern, individuelle und religiöse Freiheiten und die Eigentumsgarantie. Gleichzeitig entstand eine konstitutionelle Monarchie mit zwei Kammern.6
Die Restauration war damit von Anfang an ein widersprüchliches Unterfangen. Sie wollte zurück – traf aber auf eine Gesellschaft, die nicht mehr dieselbe war.
1824 bestieg Karl X. den Thron. Unter seiner Herrschaft verstärkten sich die restaurativen Kräfte. 1830 eskalierte der Konflikt, als der König mit seinen sogenannten Juliordonnanzen (Ordonnances de Saint-Cloud) die Pressefreiheit einschränkte und das Wahlrecht veränderte. Die darauffolgende Julirevolution – die «Drei Glorreichen Tage» (Les Trois Glorieuses) vom 27. bis 29. Juli 1830 – stürzte das Regime. Karl X. dankte ab; die Bourbonische Restauration war beendet.5
Die Schweiz zwischen Restauration und Regeneration
Was in Frankreich geschah, blieb kein französisches Phänomen. Auch die Schweiz erlebte nach Napoleon eine Epoche, die als Restauration bezeichnet wird. Nach 1815 gewannen in vielen Kantonen vorrevolutionäre Eliten wieder an Einfluss, und der Bundesvertrag gab den Kantonen einen grossen Teil ihrer früheren staatlichen Kompetenzen zurück.7
Doch auch hier liess sich die Zeit nicht zurückdrehen. Die neuen Kantone blieben bestehen, die früheren Untertanenverhältnisse wurden nicht wiederhergestellt. Die Restauration konnte also nur Teile einer vergangenen Ordnung zurückbringen, denn die Geschichte, die dazwischenlag, liess sich nicht ungeschehen machen.7
Die Epoche, die darauffolgte, erhielt einen ganz anderen Namen: Regeneration.
Die Julirevolution entfaltete ihre Wirkung über Frankreich hinaus und stärkte auch in der Schweiz die liberalen Kräfte. In zahlreichen Kantonen wurden die politischen Verhältnisse neu geordnet. Ideen, die durch Aufklärung und Französische Revolution politische Sprengkraft erhalten hatten – Gleichheit, Freiheitsrechte, politische Teilhabe –, waren während der Restauration nicht verschwunden. Sie waren zurückgedrängt und teilweise überlagert worden. Nun traten sie wieder deutlicher hervor.8
Wenn der Firnis trüb wird
An dieser Stelle begegnet mir in meiner eigenen Arbeit ein verwandter Begriff: die Regenerierung.
Ein gealterter Firnis kann seine Transparenz verlieren. Feine strukturelle Veränderungen können dazu führen, dass ein ursprünglich klarer Überzug weisslich und trüb erscheint. Das Bild darunter ist deshalb nicht verschwunden. Es ist noch da – aber schlechter lesbar.
Bei der Regenerierung versucht man, die Transparenz eines solchen Firnisses wiederherzustellen. Ein historisches Verfahren geht auf Max von Pettenkofer zurück, der im 19. Jahrhundert mit Lösungsmitteldämpfen arbeitete. Der vorhandene Firnis wurde dabei nicht abgenommen und durch einen neuen ersetzt. Er wurde angelöst und in seiner Struktur verändert, damit das darunterliegende Bild wieder deutlicher sichtbar werden konnte.9
Das Bild wird nicht neu gemalt. Es wird wieder lesbar.
Dieser Gedanke lässt mich die politische Regeneration mit anderen Augen betrachten.
Die Ideen, die historisch nach 1830 wieder an Bedeutung gewannen, mussten nicht neu erfunden werden. Die Vorstellung von Freiheit und politischer Gleichheit, die Kritik an überkommenen Privilegien, die Idee politischer Mitbestimmung – all das hatte eine Vorgeschichte. Die Restauration hatte diese Ideen nicht ausgelöscht. Aber sie hatte versucht, eine frühere politische Ordnung wiederherzustellen, in der manches davon zurückgedrängt wurde.8
Die Metapher des trüben Firnisses macht etwas sichtbar: Geschichte verschwindet nicht einfach, nur weil restaurative Kräfte versuchen, frühere politische und gesellschaftliche Verhältnisse wiederherzustellen. Ideen können überlagert oder verdrängt werden – und später wieder hervortreten.
Und noch in anderer Hinsicht ist die Regenerierung ein treffendes Bild.
Pettenkofers Verfahren erwies sich keineswegs als vollkommene Lösung. Spätere restaurierungswissenschaftliche Untersuchungen zeigten nämlich, dass solche Eingriffe Veränderungen in den behandelten Schichten verursachen können. An historischen Gemälden wurden unter anderem Pigmentmigrationen aus der Malschicht bis in die Firnisschichten festgestellt. Was zunächst wie die Wiedergewinnung eines verlorenen Zustands erscheint, kann also selbst neue Veränderungen hervorrufen.10
Restauration verspricht Wiederherstellung.
Regeneration spricht von Erneuerung und Wiederbelebung.
Regenerierung arbeitet mit dem, was bereits vorhanden ist.
Keiner dieser Vorgänge stellt jedoch einen früheren Zustand unverändert wieder her.
Doch die politischen Ideen, die nun wieder hervortraten, trafen auf eine politisch und konfessionell zerrissene Schweiz: auf die ausgeprägte Eigenständigkeit der Kantone und auf unterschiedliche Vorstellungen davon, wie viel Macht ein gemeinsamer Staat besitzen sollte. Die Konflikte verschärften sich und mündeten 1847 im Sonderbundskrieg. Ein Jahr später musste eine neue politische Ordnung gefunden werden.11
Die entscheidende Frage war nun nicht mehr, wie man zu einer früheren Schweiz zurückkehren konnte, sondern was aus ihrer Geschichte bewahrt werden sollte – und was sich verändern musste.
Eine Stimme aus der Wüste
Wie schwierig diese Verbindung von Bewahren und Verändern war, zeigte sich bei einer der zentralen Fragen der neuen Bundesverfassung: Wie sollte das künftige Parlament organisiert werden?
Gesucht war eine Ordnung, die die Repräsentation des Volkes mit der Eigenständigkeit der Kantone verbinden konnte.
Gerade deshalb ist die Rolle des Schwyzers Melchior Diethelm bemerkenswert. Nach der Niederlage des Sonderbundes kamen dessen führende konservative Vertreter für die Verfassungskommission kaum infrage. So griff man in den katholisch-konservativen Kantonen auf die wenigen radikalen Politiker zurück. Schwyz schickte Diethelm.11
Diethelm war radikalfreisinnig, musste als Vertreter seines Kantons jedoch dessen Interessen berücksichtigen. Als er im März 1848 nach einem konservativen Machtwechsel seine kantonalen Ämter verlor, löste er sich von den politischen Bindungen an seinen Heimatkanton. Rolf Holenstein beschreibt diesen Wendepunkt drastisch: «Aus dem Gleichgewicht geworfen, gedemütigt, verwirrt, wirft er alle seine bisherigen kantonalen Rücksichten hinter sich, um vorbehaltlos den Prinzipienweg einzuschlagen.»11
Am 22. März, als die Verhandlungen erneut festgefahren waren, trat Diethelm für das amerikanische Zweikammersystem ein. Später erinnerte er sich an diesen Moment:
Gerade im Moment dieser Ratlosigkeit wagte ich es, meine schwache Stimme zu erheben; ich erinnerte an die Nordamerikaner, welche in verzweifelter Lage sich nach dem Zweikammersystem gerettet haben. An diese Erinnerung knüpfte ich den Wunsch, dass man sich mit der Idee des Zweikammersystems befasse, wodurch die Nationalen und Kantonalen ihre Geltung erhalten würden. Viele der Anwesenden staunten ob dieser Stimme aus der Wüste.12
Nach Sitzungsende suchte Diethelm seinen ehemaligen Lehrer Ignaz Paul Vital Troxler auf, der Anfang 1848 eine Schrift über die amerikanische Verfassungsordnung als Modell für die Schweizer Bundesreform veröffentlicht hatte. Diethelm bat ihn um ein Exemplar der Schrift, die noch am selben Abend bei den informellen Beratungen im Zunfthaus «zu Schmieden» studiert und diskutiert wurde.13
Als die Verfassungskommission am folgenden Tag, dem 23. März 1848, wieder zusammentrat, hatte das Zweikammersystem deutlich an Zustimmung gewonnen. Schliesslich sprach sich die Kommission mit 18 zu 5 Stimmen dafür aus.13 Nationalrat und Ständerat verbanden damit zwei Prinzipien: die Vertretung des Volkes und die Vertretung der Kantone.14
Diethelm wird zur tragischen Figur: Der Mann, der entscheidend zum Durchbruch des Zweikammersystems beigetragen hatte, trat am 6. April unter dem starken konservativen Druck in seinem Heimatkanton wieder für das Einkammersystem ein. Er blieb mit diesem Kurswechsel nahezu allein und verwischte später sogar die Spuren seiner eigenen Beteiligung.11
Die «Stimme aus der Wüste» war aus Schwyz gekommen – aus einem Kanton, der wenige Monate zuvor noch dem Sonderbund angehört hatte und den neuen Bundesstaat ablehnte. Ausgerechnet von dort kam ein entscheidender Impuls für dessen institutionelle Architektur.
Warum die Vergangenheit so verführerisch werden kann
Der Wunsch nach einer Rückkehr zu früheren Verhältnissen kann besonders dort an Kraft gewinnen, wo Menschen die Gegenwart als unsicher oder bedrohlich erleben. Wirtschaftliche Veränderungen, der Verlust vertrauter Lebensweisen oder gesellschaftliche Umbrüche können das Gefühl hervorrufen, die Kontrolle über die eigene Welt zu verlieren.
Dann kann die Vergangenheit ihre Widersprüche verlieren. Was einst kompliziert, ungerecht oder konfliktreich war, erscheint im Rückblick geordneter. Man erinnert sich an Sicherheit und Zugehörigkeit und vergisst leicht, wer von dieser Ordnung ausgeschlossen war. Aus Geschichte wird Erinnerung – und aus Erinnerung kann Sehnsucht werden.
Solche Ängste können von politischen Kräften aufgegriffen und zu einer Erzählung des Verlusts verdichtet werden: Wohlstand gehe verloren, Vertrautes löse sich auf, die eigene kulturelle Identität werde bedroht.
Der komplexen Gegenwart wird eine Vergangenheit gegenübergestellt, die einfacher und geordneter erscheint, als sie tatsächlich war.15
Dabei kann auch der bereichernde Charakter gesellschaftlicher Veränderung aus dem Blick geraten. Menschen, die neu hinzukommen, bringen Sprachen, Erfahrungen, Fähigkeiten, Geschichten und Ideen mit. Kulturen sind keine unbeweglichen Gebilde; sie entstehen auch durch Begegnung, Austausch und Veränderung.
Die «gute alte Zeit» ist deshalb häufig weniger eine historische Wirklichkeit als eine Erinnerung, die im Nachhinein geglättet wurde.
Nicht zurück, sondern weiter
Restaurierung bedeutet nicht, Geschichte rückgängig zu machen. Sie übernimmt Verantwortung für das, was aus ihr hervorgegangen ist.
Dabei geht es nicht darum, jede Veränderung gutzuheissen oder jeden späteren Zustand zu bewahren. Schäden dürfen behandelt, Fehlendes ergänzt und störende Eingriffe unter Umständen zurückgenommen werden. Wichtig ist, dass solche Entscheidungen aus dem Befund entstehen – nicht aus der Sehnsucht nach einem vermeintlich besseren Früher.
Vielleicht liegt darin auch eine politische Haltung. Was heute selbstverständlich erscheint, wurde irgendwann erkämpft, ausgehandelt oder gegen Widerstand durchgesetzt.
Rechte, Institutionen und demokratische Verfahren sind nicht einfach gegeben. Sie sind Ergebnisse historischer Konflikte, Kompromisse und Entscheidungen – und gerade deshalb können sie auch wieder verloren gehen.
Wenn die Vergangenheit zum Programm wird
Wir erleben heute weltweit wieder das Erstarken autoritärer, nationalistischer und xenophober Kräfte sowie Bestrebungen, gesellschaftliche Veränderungen und politische Errungenschaften rückgängig zu machen.16
Besonders sichtbar wird das im Umgang mit Frauenrechten. Wo reproduktive Selbstbestimmung eingeschränkt, traditionelle Geschlechterrollen politisch propagiert oder hierarchische Familienbilder wieder zum gesellschaftlichen Leitbild erhoben werden sollen, geht es nicht nur um konservative Werte. Es geht um Freiheiten und Gleichstellungsrechte, die über Jahrzehnte erkämpft wurden.17
Wie existenziell die Stellung und der Schutz von Frauen bis heute sind, zeigt auch die Gewalt gegen sie: 2024 wurden weltweit schätzungsweise 50.000 Frauen und Mädchen von Intimpartnern oder anderen Familienangehörigen getötet – im Durchschnitt etwa 137 pro Tag.18
Doch die Rücknahme von Errungenschaften betrifft nicht nur einzelne Rechte. Sie kann die demokratischen Strukturen selbst erfassen.
Demokratien müssen nicht durch einen Staatsstreich verschwinden. Sie können auch von innen geschwächt werden – durch Angriffe auf unabhängige Medien und Gerichte, durch die Einschränkung institutioneller Kontrollen oder durch die schrittweise Veränderung jener Regeln, die politische Macht begrenzen.
Der Democracy Report 2026 des V-Dem Institute kommt zu dem Ergebnis, dass 2025 fast ein Viertel der Staaten weltweit einen Prozess der Autokratisierung durchlief.16
Vielleicht beginnt die Gefahr deshalb nicht erst dort, wo politische Kräfte offen die Vergangenheit zurückfordern. Sie beginnt bereits, wenn die Gegenwart systematisch als Verfall dargestellt und eine vergangene Ordnung beschworen wird. Die «gute alte Zeit» kann dann vom Gegenstand der Sehnsucht zum politischen Programm werden.
Was soll in die Zukunft getragen werden?
Die Geschichte der Restauration erzählt von dem Versuch, eine verlorene Ordnung wiederherzustellen.
Die Restaurierung geht einen anderen Weg: Sie setzt sich mit dem auseinander, was von der Vergangenheit tatsächlich erhalten geblieben ist.
Ein historisches Möbel kann nicht in seine Vergangenheit zurückkehren. Es kann nur weiterleben – mit seinen Veränderungen, seinen Gebrauchsspuren, seinen Verlusten und Ergänzungen.
Vielleicht gilt etwas Ähnliches auch für eine Gesellschaft.
Die Vergangenheit verdient Erinnerung, aber nicht unbedingt Rückkehr. Sie kann uns erklären, woher wir kommen und wie unsere Gegenwart entstanden ist.
Sie kann uns aber nicht die Entscheidung abnehmen, was wir davon bewahren, was wir verändern und was wir weiterentwickeln wollen.
Vielleicht ist das die schönste Bedeutung, die man restaurare heute geben kann.
Nicht zurück.
Weiter.
Fussnoten und Quellen
- Duden, Restauration, Restaurierung und restaurieren. Zur heutigen Bedeutungsunterscheidung im Deutschen.
- https://www.duden.de/rechtschreibung/Restauration_Erneuerung
- https://www.duden.de/rechtschreibung/Restaurierung
- https://www.duden.de/rechtschreibung/restaurieren
- ICOM-CC (International Council of Museums – Committee for Conservation),Terminology to characterize the conservation of tangible cultural heritage, Resolution verabschiedet an der 15. Triennial Conference, New Delhi, 22.–26. September 2008. Zur fachlichen Definition von conservation als Oberbegriff für preventive conservation, remedial conservation und restoration sowie zum Ziel, materielles Kulturerbe unter Achtung seiner Bedeutung und materiellen Eigenschaften zu bewahren.
- Centre national de ressources textuelles et lexicales (CNRTL), restaurer und restauration, Étymologie et histoire. Zur Herkunft aus lat. restaurare sowie zur Bedeutungsentwicklung von restauration.
- Merriam-Webster, restore und restoration; Real Academia Española (RAE), restaurar; El Colegio de México, Diccionario del Español de México, restauración. Zur Bedeutungsbreite im Englischen und Spanischen.
- https://www.merriam-webster.com/dictionary/restore
- https://www.merriam-webster.com/dictionary/restoration
- https://dle.rae.es/restaurar
- https://dem.colmex.mx/ver/restauración
- Assemblée nationale, La Restauration (1814–1830): Les faits. Zur politischen Epoche der französischen Restauration, zur Rückkehr der Bourbonen, zu Karl X. und zur Julirevolution von 1830.
- Assemblée nationale, La Charte constitutionnelle, 4. Juni 1814. Zur Charte von 1814, den übernommenen Errungenschaften der Revolution und zur konstitutionellen Monarchie mit zwei Kammern.
- Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Präsenz Schweiz, Auf dem Weg zum Bundesstaat (1815–1848), Abschnitt zur Restauration. Zum Bundesvertrag von 1815, zur weitgehenden Selbstständigkeit der Kantone und zur teilweisen Wiederherstellung vorrevolutionärer Verhältnisse.
- Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Präsenz Schweiz, Auf dem Weg zum Bundesstaat (1815–1848), Abschnitt zur Regeneration. Zur Wirkung der Julirevolution von 1830 auf die Schweiz, zum liberalen Aufbruch und zu den kantonalen Verfassungsreformen.
- Wolfgang Rebber, Einsatz von verschiedenen Lösungsmitteln in Form ihrer Dampfphase zur Regenerierung von Harzüberzügen auf Holzobjekten – Neue Ansätze zu Pettenkofers Idee der berührungsfreien Behandlung von Firnissen, Diplomarbeit, Technische Hochschule Köln, 1997. Zur Regenerierung von Harzfirnissen mit Lösungsmitteldämpfen und zu Verdampfung, Lösungs- und Trocknungsprozess.
- Sibylle Schmitt, Effekte von Pettenkofers Regenerations-Verfahren. Versuchsreihen und Analyse von Malschichtmigrationen an regenerierten Gemälden des 17. Jahrhunderts, Dissertation, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, 2019, DOI 10.11588/artdok.00006341. Zu Veränderungen in Malschicht und Firnis sowie zu Partikelmigrationen infolge historischer Regenerierungen.
- Rolf Holenstein, Stunde Null. Die Neuerfindung der Schweiz 1848. Die Privatprotokolle und Geheimberichte, Basel: Echtzeit Verlag, 2018. Zur Entstehung der Bundesverfassung von 1848, Melchior Diethelms Rolle, seiner politischen Situation und seinem späteren Kurswechsel.
- https://echtzeit.ch/buch/stunde-null/
- https://www.exlibris.ch/de/buecher-buch/deutschsprachige-buecher/rolf-holenstein/stunde-null/id/9783905800708/
- https://www.schweizermonat.ch/die-geburtshelfer-der-verfassung/
- Adolf Rohr, «Troxler als Promotor des Zweikammersystems im schweizerischen Bundesstaat», in: Ignaz P. V. Troxler – Politische Schriften in Auswahl, Bd. 1, Bern/Stuttgart: Francke, 1989, S. 291 f.; wiedergegeben im Rundbrief des Ignaz P. V. Troxler-Vereins, Herbst 2018, S. 6–7. Zu Diethelms späterer Schilderung seines Auftritts und der «Stimme aus der Wüste».
- Rolf Holenstein, «Wie die Schweiz 1848 den Stein des Weisen fand», in: NZZ Geschichte, Nr. 17 (Juli 2018), Die Geburt der modernen Schweiz. Wie die Verfassung von 1848 zustande kam, S. 28–49, hier S. 44; ergänzend Adolf Rohr, «Troxler als Promotor des Zweikammersystems im schweizerischen Bundesstaat», in: Ignaz P. V. Troxler – Politische Schriften in Auswahl, Bd. 1, Bern/Stuttgart: Francke, 1989, S. 291 f.; Ignaz P. V. Troxler-Verein, Rundbrief, Herbst 2018. Zur Rekonstruktion der Ereignisse vom 22./23. März 1848, Diethelms Kontakt mit Troxler und der Rolle von Troxlers Schrift.
- ch Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit, Die Bundesverfassung vom 12. September 1848: Gründungsakt der modernen Schweiz, Interview mit Rolf Holenstein. Zum Zweikammersystem und zu Jonas Furrers Formel, der Kompromiss verbinde «die Vergangenheit mit dem Neuen».
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- https://knowledge.unwomen.org/sites/default/files/2025-09/understanding-backlash-against-gender-equality-evidence-trends-and-policy-responses-en.pdf
- United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) und UN Women, Femicides in 2024: Global Estimates of Intimate Partner/Family Member Femicides, United Nations, November 2025. Zur weltweiten Zahl der von Intimpartnern oder anderen Familienangehörigen getöteten Frauen und Mädchen.
Bildnachweise
Titelbild:
Restauration und Restaurierung – Zwei Begriffe zwischen Politik und Handwerk. Illustration unter Verwendung historischer Bildvorlagen mit Unterstützung von KI erstellt, 2026.

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