Massivholzbett aus Esche und Nussholz

Massivholzbett aus Esche und Nussholz

Massivholzbett aus Esche und Nussholz

Im Rahmen meiner Individuellen Praktischen Arbeit (IPA) habe ich am Schluss meiner Ausbildung zur Schreinerin ein Massivholzbett aus Esche und Nussholz designt und gebaut.

Wichtig war mir, dass sich das Bett werkzeuglos zusammenbauen lässt, kein Metall verbaut ist und die Oberflächenbehandlung keine flüchtigen organischen Verbindungen freisetzt oder aus anderen schädlichen Stoffen (bspw. Sikkative) besteht.

Im Folgenden finden sich einige Impressionen zum Enstehungsprozess meines Möbels:

Das Bett war ein Kundenauftrag, wobei die Kundin meine Mutter war. Sie wünschte sich ein Hüslernest-Aufbau und eine Konstruktion, die unter dem Bett zusätzlichen Stauraum bot.

Ich zeichnete ihr diverse Entwürfe, wobei sie sich dann für ein Kopfteil mit gewebten Nussbaumlamellen entschied.

Anschliessend baute ich ihr ein Modell davon (vgl. Bild rechts).

Bettmodell aus Buchenholz mit einem aus Nussholz gewobenen Kopfteil

Ich liebe diese ganzheitliche schöpferische Arbeit, dieser kreative Schaffungsprozess, der mich von der Vorgabe zu einer Idee führt, die ich dann zu einem funktionalen Design weiterentwickeln kann.

Es ist die Suche nach der Einheit zwischen Funktion und Form bzw. Konstruktion.

Zuerst stellte ich mir die Frage nach den funktionalen Details:

  • Wie hoch soll das Bett sein, damit meine Mutter bequem aus- und einsteigen kann?
  • Lassen sich mit dieser Höhe die Rollkorpusse später realisieren?
  • Wie muss die Unterkonstruktion aussehen, damit die Rollkorpusse darunter passen und gleichzeitig stabilisiert sind?
  • Wie soll die Rückenlehne aussehen, damit man sich bequem anlehnen kann?
  • Wie ist der Bettaufbau (Rost, Matratze etc.)?

Dann dachte ich über die Konstruktion nach.

  • Wie schaffe ich es, dass das Bett leicht und ohne Werkzeug montier- und demontierbar ist?
  • Welche Verbindungen setze ich ein, damit ich das Bett gänzlich ohne Metall konstruieren kann?
  • Welches Holz verwende ich, damit das Möbel nachhaltig ist, eine lange Lebensdauer hat und unsere Umwelt respektiert wird?
  • Welche Oberflächenbehandlung wähle ich?
  • Welche sinnliche Erfahrung (Farbe, Kontrast, Haptik etc.) würde mich stimulieren und erfreuen?

Für die Konstruktion und mögliche Verbindungen habe ich Fachliteratur sowie die Betten meines Lehrbetriebes studiert, historische Betten angeschaut sowie im Internet recherchiert.

 

Das folgende Video zeigt wie der werkzeuglose Zusammenbau gelöst ist.

Das Design des Bettes habe ich aufgrund der Reaktion auf das Modell weiterentwickelt und die gewebten Nussbaumlamellen über die ganze Breite des Kopfteils gezogen, wodurch die Mittelstege weggefallen sind. Dies ist ästhetisch schöner und passt besser zu einem Einzelbett.

Anschliessend konkretiseirte ich meine Skizzen in CAD-Plänen und Detailstudien, die mir als Grundlage für die Herstellung dienten.

Im Folgenden einige Bilder zum Rohzuschnitt, Aushobeln und Schleifen:

Das spannendste Detail der gesamten Bettkonstruktion ist sicherlich die japanische Verbindung Watari ago (渡りあご), die ich mit gekeilten Runddübeln verstärkt habe, damit sie auch in der Vertikalen stabil funktioniert. Die Verbindung wird normalerweise bei freitragenden Balken im Häuserbau verwendet. Bei meiner Konstruktion verbindet sie die Bettzarge mit den Hinterbeinen.

Ich habe bereits in einem früheren Blogbeitrag über diese spezielle Verbindung geschrieben.

Die folgenden Bildergalerie zeigt die Ausarbeitung der Watari ago-Verbindung:

 

Die Nussbaumlamellen habe ich geschliffen, gefast und mit Rubio RMC Oil Plus 2C (50% Pure [R101] / 50% Bourbon [R333] sowie 1/3 Beschleuniger) geölt.

Das Rubioöl hat 0% flüchtige organische Verbindungen (VOC = volatile organic compounds) und beinhaltet auch keine giftigen Sikkative. Zudem tragen die Rubioprodukte das Eurofins Indoor Air Comfort Gold Label, welches ein gesundes Raumklima garantiert.

Indoor Air Comfort Gold Label

Die Nussbaumlamellen liessen sich leicht ohne Dampf oder Wärme flechten:

Nun einige Bilder des fertigen Bettes:

Watari ago (渡りあご) – eine Kreuzüberblattung aus Japan – verstärkt mit verkeilten Runddübeln

Watari ago (渡りあご) – eine Kreuzüberblattung aus Japan – verstärkt mit verkeilten Runddübeln

Die japanische Verbindung Watari ago (渡りあご) verbindet das Bettbein mit der Kopfzarge

🛏 Eine Kreuzüberblattung aus Japan – verstärkt mit Runddübeln für das Bett.

Für die Verbindung der Kopfzarge mit dem Bettbein habe ich diese japanische Kreuzüberblattung ausgewählt und mit verkeilten Runddübeln verstärkt.


渡り (watari) bedeutet „kreuzen“, „überqueren“
あご (ago) bedeutet „Kinn“ oder „Kiefer“
Die Verbindung wird normalerweise bei freitragenden Trägern im Hausbau verwendet.

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Beistelltisch aus Buchen- und Nussholz

Beistelltisch aus Buchen- und Nussholz

Beistelltisch aus Buchen- und Nussholz

Ein luftiger Beistelltisch aus Buchen- und Nussholz für eine Orchidee.

Die Eckverbindungen bestehen aus jeweils zwei in Gehrung geschnittene Blindzapfen. Sie sind auf drei Seiten zurückgesetzt.

 Der Beistelltisch (L: 36cm x B: 36cm x H:46cm) kann käuflich erworben werden.

Hier geht es zum Angebot.
Der Beistellstisch ist auch in diversen anderen Holzkombinationen erhältlich. Teilen Sie mir Ihren Wunsch mit.

Sie können den Beistelltisch auch in einem 4-tägigen Holzbearbeitungskurs unter meiner Leitung selber herstellen.
Hier geht es zu den noch offenen Kurs-Terminen.

Im Folgenden einige Bilder & Videos, die einen Eindruck von der Entstehung des Tisches vermitteln.

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Sumidome Hozo sashi – eine japanische Eckverbindung

Sumidome Hozo sashi – eine japanische Eckverbindung

Sumidome Hozo sashi - Japanische Eckverbindung

Im Buch „The Complete Japanese Joinery“ von Hideo Sato und Yasua Nakahara wird unter ‚Eckverbindungen‘ die hochqualitative Verbindung Sumidome Hozo Sashi – 隅留めほぞ差し  (Tongue and Groove Shoulder Miter Joint) vorgestellt.

隅留め (sumidome) bedeutet „Winkel“
ほぞ (hozo) bedeutet „Zapfen“
差し (sashi) bedeutet „einfügen“

Die Verbindung wird im Rahmenbau, aber auch für Bodenschwellen im japanischen Häuserbau verwendet.

Sie kann ebenso vielseitig im Möbelbau eingesetzt werden.
In einer Abwandlung (dodai sumidome hozo sashi shiguchi /土台隅留め枘差し仕口) dient sie sogar als dreiteilige Eckverbindung – bspw. bei einem Tisch (Rahmen und Tischbein).

Im Folgenden zeige ich die Herstellung dieser komplexen Eckverbindung. Die Hauptschwierigkeit lag für mich in der Bestimmung der Abfolge, sodass möglichst wenige Risse unterwegs verloren gehen.

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Three-Wood-Table

Three-Wood-Table

Three-Wood-Table aus Birnen-, Nuss- und Ahornholz

In der Schreinerzeitung vom 5. November 2020
ist ein spannender Artikel über mich und den Three-Wood-Table erschienen.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen.
ChaskART

Hier geht es zum Artikel

Im Winter 19/20 habe ich einen Stuhl bzw. Couchtisch designt, der einerseits meine bis anhin gelernte Fähig- und Fertigkeiten in sich vereint und andererseits zu einer Reminiszenz an die Werke meiner beiden Vorbilder Sam Maloof und George Nakashima wurde.

Vor meiner Lehrzeit habe ich mich intensiv mit Holzbildhauerei beschäftigt und diverse Praktika beim Holzbildhauer Martin Schibig in Steinen absolviert. Vor zwei Jahren begann ich zudem mit dem Drechslerhandwerk. Aus diesem Grunde nahm ich mir vor, ein Möbel zu bauen, welches das Drechseln sowie ein zartes bildhauerisches Element in sich vereint.

Die Konstruktion sollte dem Auge aber auch den Händen des Besitzers schmeicheln. Fliessende, weiche Formen sind mir wichtig. Die Dachform des bedeutendsten buddhistischen Tempels in Tokio (Sensō-ji/Asakusa-Schrein) hat mich zur Grundform inspiriert.

Zuerst machte ich Versuche mit dem 7-Grad-Winkel und der geschnitzten Zapfenverbindung.

Anschliessend konstruierte ich das Design mit CAD und fertigte eine 1:1 Zeichnung auf eine beschichtete Platte, um beim Bau die Masse abnehmen zu können.

CAD-Pläne des Three-Wood-Tables
1:1 Zeichnung der Unterkonstruktion des Three-Wood-Tables

Im nächsten Schritt drechselte ich die Einzelteile, wobei ich die Dominolöcher in die noch unbearbeiteten Kanteln fräste. Dies war aufgrund der 7-Grad-Winkel sehr komplex.

Für die Beine stellte ich eine Schablone her, damit diese möglichst gleich herauskamen.

Beinschablone des Three-Wood-Tisches

So sah dann die Rohkonstruktion aus:

Gedrechselte Unterkonstruktion mit Dominoverbinder von Festool

Danach baute ich die Konstruktion zum Testen mit Zwingen zusammen, Ich kontrollierte, ob alle Übergänge sauber aufeinanderpassen und nahm dass exakte Mass des Innenholmes ab. Da ich die 7-Grad-Winkel mit der Dominofräse und der Kappsäge ohne zu verstellen nacheinander gemacht hatte, stimmten alle Verbindungen ziemlich exakt. Nur an zwei Stellen entstand ein 2/10mm-Spalt. Beim späteren Verleimen ist der Spalt dann verschwunden.

 

Rohkonstruktion des Three-Wood-Tables Die Verbindungen werden mit diversen Werkzeugen bearbeitet. Das Aussehen gleicht einem natürlich gewachsenen Ast.

Den Mittelholm habe ich abgelängt und danach die Dominolöcher gefräst. Dies ist das einzige Element der Grundkonstruktion, das ich vollständig geschnitzt habe. Das Bild oben rechts zeigt die verleimte Konstruktion.

Mit der Japansäge, dem Japanhobel, dem Proxxon-Winkelschleifer (bestückt mit einer Raspelscheibe) sowie mit Schnitzwerkzeug habe ich die Verbindungen grob bearbeitet. Anschliessend arbeitete ich die fliessenden und weichen Übergänge mit Schnitzwerkzeug, Schnitzmesser, Ziehklinge und Schleifpapier heraus. Hier einige Impressionen dieser – der Natur nachempfundenen – Übergänge:

 

Die Grobform des Mittelholms erarbeitete ich mit dem Schweifhobel.

Bearbeitung des Mittelholmes mit Schweifhobel fliessende und weiche Formen auch beim Mittelholm - ein zartes bildhauerisches Element - wie in der Natur

Geschliffen habe ich alles bis zur 600er-Körnung und anschliessend mit 0000-Stahlwolle nachbearbeitet.

Vor zwei Jahren habe ich bei einem lokalen Holzhändler einen Birnbau gekauft. Ursprünglich wollte ich einen Stuhl (mit Danish-Cord-Bespannung) bauen, doch als ich in meinem Holzstapel dieses interessante, „verknorzte“ Holz fand, realisierte ich daraus einen Couchtisch und bewahrte es vor dem Hacker. Diesen «Fehler» betonte ich, wodurch es zum Highlight meines Tisches wurde.

Rohzuschnitt

Aus diesem Brett habe ich zwei Bretter gesägt, abgerichtet, gefügt und dickengehobelt. Da die Fuge auf diese grosse Länge nicht 100 %ig stimmte, habe ich sie mit dem Handhobel nachbearbeitet. Dann habe ich das Brett verleimt und die Position auf der Unterkonstruktion festgelegt.

Grösse der Tischplatte festlegenAuf der Rückseite hat es einen Riss, der fast bis zur oberen schönen Seite reicht. Damit sich der Riss in den nächsten Jahren nicht weiterentwickelt, habe ich mit der Oberfräse, dem Stechbeitel und dem Hobel ein «Gravättli» eingearbeitet.

Das Butterfly Inlay auf der Unterseite des Couchtisches wird mit dem Hobel bearbeitet

Nachdem ich die Tischplatte auf die korrekte Grösse abgelängt, die Baumkante bearbeitet, die Platte geschliffen sowie die Kanten leicht mit Schleifpapier angefast hatte, bohrte ich die Tischbeinlöcher mit einem 30mm-Astlochbohrer und setzte die Platte auf die Unterkonstruktion.

Tischbeinlöcher mit Astlochbohrer bohren

Die Oberflächen behandelte ich mit Klarwachs, dabei dringen die natürlichen Öle besonders tief in das Holz ein, schützen es von innen und halten es elastisch. Die natürlichen Wachse schützen die Oberfläche und sorgen für die hohe Strapazierfähigkeit und Pflegeleichtigkeit. Mir war eine natürliche und einfach nachzuarbeitende Oberflächenbehandlung wichtig, die auch für Kinderspielzeug verwendet werden darf.

Fast fertiger Three-Wood-Table. Es fehlt noch der Ebenholzaufsatz für die Steinkugel.

Dann musste noch die Tischplatte beim Leerraum mit «Unterstützungstöggeli» verstärkt werden (vgl. Bild unten)

Die Rundung habe ich vor dem Drechseln gebohrt und dann die «Töggeli» leicht konisch aus zwei gestockten Ahornkanteln herausgedrechselt.

Detail Unterkonstruktion Übergang Tischplatte

Auf das in der Luft hängende Tischbein habe ich einen Aufsatz aus Ebenholz gedrechselt, um darauf eine Kugel zu stellen. Der Kunde darf aus diversen Stein- und Holzkugeln auswählen.

Beim Kunden wird die definitive Höhe des «Couchtisches» bestimmt, der in der Regel die gleiche Höhe wie die umliegenden Sitzmöbel hat (45-50 cm).

Erst dann bekommt der Tisch seine Höhe und die Filzgleiter bzw. Gleitnägel können montiert werden.

Three-Wood-Table - Detail mit Ebenholz und Moosachat

Fertiger Three-Wood-Table in der Natur, mit Moosachat und einer Wachsöloberfläche 

Update (Mai 2023):

Der Three-Wood-Table hat nun, zweieinhalb Jahre nach seiner Fertigstellung, seinen endgültigen Platz im

„Haus der 7 Sinne“

in Vitznau gefunden!

Vielen Dank Coco!

 

Logo Haus der 7 Sinne, Vitznau

Eröffnung Haus der 7 Sinne am 1. Mai 2023:

Blogeintrag des Fotografen Christian Scheidegger