The English version of my blog entry can be found below.

Eine besondere Abschlusswoche meines Studiums ✨

Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Abschlussjahrgang der Fachakademie für Restaurierung von Möbeln und Holzobjekten am Goering Institut durfte ich an einem ganz besonderen Projekt mitwirken: der ersten Projektphase der Restaurierung des Hochaltars der Pfarrkirche St. Michael in Seehausen am Staffelsee.

Die aktuellen Maßnahmen stellen die ersten umfangreichen Restaurierungsarbeiten am Hochaltar seit der letzten bekannten Restaurierung in den 1960er Jahren dar.

Der Hochaltar entstand um 1775/1780 und prägt mit seiner marmorierten Architektur, den vergoldeten Details, den Skulpturen der Erzengel Michael und Raphael sowie dem Altarbild des Letzten Abendmahls den Chorraum der Kirche. Seit beinahe 250 Jahren begleitet er zahlreiche Generationen und trägt heute die Spuren seiner Geschichte sichtbar in sich.

Gerade diese Spuren machen Restaurierung so spannend. Unser Ziel war es nicht, historische Oberflächen „neu“ erscheinen zu lassen, sondern die originale Substanz zu bewahren und ihre Geschichte weiterhin lesbar zu erhalten. Jede Maßnahme wurde deshalb sorgfältig geplant, untersucht und dokumentiert.

Bereits im Vorfeld waren umfangreiche Voruntersuchungen durchgeführt worden. Dazu gehörten die Erfassung des Erhaltungszustandes, materialkundliche Beobachtungen sowie Lösemitteltests, um geeignete Reinigungsmethoden zu bestimmen, ohne die historische Fassung zu gefährden. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage sämtlicher restauratorischer Entscheidungen.

Eine besondere Erfahrung dieses Projektes war die Arbeit direkt am originalen Standort. Anders als bei Restaurierungsarbeiten in der Werkstatt erfolgten die Maßnahmen hier unmittelbar im Kirchenraum – an einem historischen Objekt, das nicht nur musealen Charakter besitzt, sondern bis heute Teil des kirchlichen Lebens ist. Diese Verbindung von praktischer Restaurierung, Denkmalpflege und einem lebendigen Umfeld machte die Arbeit für uns besonders wertvoll.

Während dieser ersten Projektkampagne arbeiteten wir ausschließlich im unteren, ohne Gerüst erreichbaren Bereich des Hochaltars. Dort zeigten sich typische Alterungserscheinungen: Verschmutzungen, lose Fassungsbereiche, kleinere und größere Fehlstellen, gealterte Retuschen sowie konstruktionsbedingte Schäden am Holz.

Den Schwerpunkt unserer Arbeiten bildete die konservatorische Sicherung der historischen Substanz. Gefährdete Fassungs- und Farbschichten wurden mit Gelatine gefestigt und wieder mit dem Untergrund verbunden. Schwundrisse und konstruktionsbedingte Fugen wurden mit Ausspänungen aus Balsaholz stabilisiert. Dieses dient als Puffer für die natürliche Bewegung des Holzes und bildet eine geeignete Grundlage für die anschließenden Kitt- und Fassungsarbeiten.

Anschließend erfolgte eine differenzierte Reinigung der verschiedenen Oberflächen. Je nach Material reagierten die historischen Fassungen sehr unterschiedlich, weshalb jeder Bereich individuell behandelt wurde. Verschmutzungen und Ablagerungen wurden vorsichtig entfernt, wobei empfindliche Vergoldungen und ungeschützte Bereiche mit speziell abgestimmten konservatorischen Methoden behandelt wurden, um die originale Oberfläche bestmöglich zu erhalten.

Fehlstellen wurden anschließend mit einem traditionellen Kreidegrund aufgebaut, sorgfältig an das vorhandene Niveau angepasst und danach retuschiert. Ziel war dabei keine vollständige Rekonstruktion, sondern eine ruhige und geschlossene Gesamtwirkung, bei der originale und ergänzte Bereiche auch künftig nachvollziehbar bleiben. Größere Fehlstellen in den Vergoldungen wurden mit Blattgold ergänzt, kleinere Bereiche durch zurückhaltende Retuschen optisch integriert.

Besonders faszinierend war die Marmorierung des Altars. Was aus der Ferne wie massiver Naturstein wirkt, ist tatsächlich eine meisterhaft auf Holz ausgeführte Illusionsmalerei. Solche historischen Fassungen verlangen ein hohes Maß an handwerklichem Können, Materialkenntnis und Respekt vor der originalen Ausführung.

Die Ausbildung am Goering Institut verbindet theoretische Grundlagen mit einem hohen Praxisanteil. Dadurch erhalten die Studierenden die Möglichkeit, historische Objekte direkt am Original zu untersuchen und restauratorische Maßnahmen unter fachlicher Begleitung umzusetzen. Sämtliche Arbeitsschritte wurden in enger Abstimmung mit den verantwortlichen Dozenten und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt. Vor der Umsetzung wurden Musterflächen angelegt und abgestimmt, um Materialität, Farbigkeit und Erscheinungsbild der geplanten Maßnahmen sorgfältig zu überprüfen.

Restaurierung bedeutet deshalb weit mehr als handwerkliches Arbeiten. Jede Entscheidung basiert auf Untersuchungen, restaurierungsethischen Grundsätzen und einem respektvollen Umgang mit der erhaltenen Substanz. Ziel aller Maßnahmen ist der langfristige Erhalt dieses bedeutenden Kulturdenkmals für kommende Generationen.

Für mich persönlich war dieses Projekt ein besonderer Abschluss meines Studiums. Nach drei intensiven Ausbildungsjahren am Goering Institut war es eine große Freude, das erlernte Wissen gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen an einem bedeutenden Kulturdenkmal anwenden zu dürfen.

Drohnenaufnahmen: © Michael Guglhör

English Version:

Restoration of the High Altar of St. Michael’s Parish Church in Seehausen am Staffelsee

A special final week of my studies

Together with my colleagues from the graduating class of the Academy for the Conservation and Restoration of Furniture and Wooden Objects at the Goering Institute, I had the privilege of participating in a very special project: the first phase of the restoration of the high altar of St. Michael’s Parish Church in Seehausen am Staffelsee.

The current measures represent the first extensive restoration work carried out on the high altar since the last known restoration campaign in the 1960s.

The high altar was created around 1775–1780 and dominates the choir of the church with its faux marble architectural elements, gilded details, the sculptures of the Archangels Michael and Raphael, and the altarpiece depicting the Last Supper. For almost 250 years, it has accompanied numerous generations and today bears visible traces of its own history.

It is precisely these traces that make restoration so fascinating. Our aim was not to make the historical surfaces appear “new”, but rather to preserve the original material substance and maintain the legibility of its history. Every intervention was therefore carefully planned, examined, and documented.

Extensive preliminary investigations had already been carried out prior to the project. These included an assessment of the state of preservation, observations of the materials, and solvent tests to determine suitable cleaning methods without endangering the historical decorative scheme. The results formed the basis for all subsequent conservation decisions.

One of the most valuable aspects of this project was the opportunity to work directly at the original location. Unlike restoration work carried out in a workshop environment, the treatments were performed directly within the church interior – on a historic object that is not merely of museum value, but continues to be part of active religious life. This combination of practical conservation, heritage preservation, and a living environment made the work particularly meaningful.

During this first project campaign, we worked exclusively on the lower, scaffold-free accessible areas of the high altar. These areas revealed typical signs of ageing: surface soiling, detached areas of polychromy, minor and larger losses, aged retouchings, as well as construction-related damage to the wooden support.

The main focus of our work was the conservation of the historic material. Vulnerable areas of the polychromy and painted layers were consolidated with gelatine and reattached to the substrate. Shrinkage cracks and construction-related joints were stabilised using balsa wood inserts. These act as a buffer for the natural movement of the wood and provide a suitable foundation for subsequent filling and decorative treatments.

A differentiated cleaning process was then carried out on the various surfaces. Depending on the material, the historical decorative layers reacted very differently, requiring each area to be treated individually. Surface dirt and deposits were carefully removed, while sensitive gilded areas and unprotected surfaces were treated using specifically adapted conservation methods in order to preserve the original surface as far as possible.

Losses were subsequently rebuilt using traditional chalk grounds, carefully adjusted to the existing surface level, and then retouched. The aim was not a complete reconstruction, but rather a calm and coherent overall appearance in which original and restored areas remain distinguishable in the future. Larger losses in the gilded areas were supplemented with gold leaf, while smaller areas were visually integrated through restrained retouching.

One of the most fascinating aspects of the altar was its faux marble decoration. What appears from a distance to be solid natural stone is in fact a masterfully executed imitation marble painting applied onto wood. Such historical decorative schemes require a high level of craftsmanship, material knowledge, and respect for the original execution.

The training programme at the Goering Institute combines theoretical foundations with a strong practical component. This enables students to examine historical objects directly on site and carry out conservation measures under professional supervision. All treatment steps were conducted in close consultation with the responsible lecturers and the Bavarian State Office for Monument Protection (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege). Before implementation, test areas were prepared and evaluated in order to carefully assess the materials, colours, and visual appearance of the proposed treatments.

Restoration therefore means far more than craftsmanship alone. Every decision is based on research, conservation ethics, and a respectful approach to the surviving historical substance. The ultimate goal of all measures is the long-term preservation of this significant cultural monument for future generations.

For me personally, this project represented a very special conclusion to my studies. After three intensive years of training at the Goering Institute, it was a great privilege to apply the knowledge and skills I had acquired together with my colleagues on such an important cultural monument.

Drone footage: © Michael Guglhör